Kapitel 7 hat gezeigt, dass das Bankwesen in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg auf dem Weg war, die Rolle eines öffentlichen Versorgungsunternehmens zu übernehmen. Eine öffentliche Option hat in den Postbanken Japans und Russlands überlebt. Dadurch, dass sie Einlagen- und Girokonten, Darlehen und Kreditkarten zu Preisen bereitstellt, in denen sich die tatsächlichen Kosten solcher Dienstleistungen widerspiegeln (oder auch zu subventionierten Preisen statt der heutigen Zinskosten, Gebühren und Vertragsstrafen), könnte diese öffentliche Option die Wirtschaft von den Monopolrenten befreien, die die Banken heute einstreichen. Am wichtigsten: Öffentliche Banken hätten wohl kaum Kredite für die Übernahme und Zerschlagung von Unternehmen und die Schuldenfinanzierung bereitgestellt, die das heutige Finanzsystem kennzeichnen.


Es gibt im Wesentlichen drei Argumente für die Gründung einer öffentlichen Bank, die grundlegende Scheck-, Spar- und Kreditkartendienstleistungen bereitstellt. Der offensichtlichste Grund besteht darin, diese Dienstleistungen zu minimalen Kosten anzubieten. Eine öffentliche Option ist frei von überzogenen Gehältern und Aktienbezugsrechten, von Verwaltungsgebühren und anderen Finanzialisierungsfinten, ganz zu schweigen von politischem Lobbying und Geldstrafen für das mittlerweile chronische Fehlverhalten der größten Banken. Ein zweiter Grund für die Gründung einer öffentlichen Bank liegt in der Fähigkeit von Wall-Street- Lobbyisten, die Umsetzung des Sarbanes-Oxley-Act, des Dodd-Frank Act und der Volckersehen »Too-Big-To-Fail--Regel zu untergraben und die Ernennung hochrangiger Beamter im Justizministerium oder in der Börsenaufsichtsbehörde zu blockieren, wenn diese Beamten es ernst meinen mit der Durchsetzung gesetzlicher Vorschriften. Solange die beiden führenden politischen Parteien der Vereinigten Staaten (und ihre Pendants in anderen Ländern) es als »den Weg in die Knechtschaft« ansehen, wenn Finanzkriminelle zu Gefängnisstrafen verurteilt werden, besteht die einzige Möglichkeit, eine rücksichtslose Ausbeutung durch Banken zu vermeiden, darin, öffentliche Banken zu gründen, die einfache Standardleistungen anbieten.

Der dritte Grund für die Schaffung einer öffentlichen Bankenoption ist, dass man auf diese Weise das Privatkundengeschäft vom »Investmentbanking « trennt, das sich quasi nicht mehr von einem Spielkasino der Arbitrage-und Derivategeschäfte unterscheiden lässt. Da die geltenden Gesetze die im Glass-Steagall Act verankerte Trennung dieser bei den verschiedenen Arten von Bankgeschäften nicht fortgeführt haben und der Kongress sich als unfähig erwies, die Wirtschaft vor dem Finanzsektor zu schützen, ist eine Situation entstanden, in der Megabanken die  Regierung als Geisel für Rettungspakete nehmen können, wenn das exponentielle Wachstum finanzieller Ansprüche zu einer Neuauflage der Liquiditätskrise von 2008 führt.
Schließlich ist es für Staaten leichter, auf eigene Forderungen gegen Schuldner zu verzichten, als Schulden gegenüber privaten Gläubigem zu annullieren. Vor der Privatisierung des Kredits strichen mesopotamische Könige und ägyptische Pharaonen Schulden gegenüber dem Palast, umweitverbreitete Leibeigenschaft und Auswanderung zu vermeiden - jenes Schicksal, mit dem heutzutage überschuldete Länder konfrontiert sind.