Damit sich eine solche Finanzialisierung nach einem Schuldenschnitt nicht wiederholt, müssen die Steuergesetze reformiert werden und sich der Abschöpfung von Rentenextraktion und »Kapitalgewinnen« zuwenden. Andernfalls werden Banken und Finanzmärkte weiterhin Kredite hauptsächlich gegen (die Verpflichtung zur Zahlung von) Grundrenten für Immobilien, Rohstoffrenten für den Erdöl- und Bergbausektor und Monopolrenten für staatliche Infrastruktureinrichtungen, die privatisiert werden, vergeben.
Die Grundrente führt die Liste an, weil Immobilien in fast allen Volkswirtschaften der wichtigste Vermögenswert bleiben. Wie in Kapitel 7 beschrieben, sind fast 80 Prozent aller neu vergebenen Bankkredite Hypothekendarlehen, deren hauptsächlicher Effekt darin besteht, Immobilienpreise in die Höhe zu treiben. Dieser Preisanstieg dient als ein vergifteter Köder für Hauskäufer (und auch für »aktivistische Aktionäre« auf dem Aktienmarkt), die hoffen, durch schuldenfinanzierte »Kapitalgewinne«, die ihr Vermögen auf dem Papier erhöhen, reich zu werden.

Die Vermögenszuwächse lassen sich nicht aufrechterhalten, wenn der Prozess der Schuldenschöpfung die Wirtschaft abwürgt. Im Jahr 2011 hat die Federal Housing Finance Agency ihre Garantie für die Bedienung von Hypothekenschulden auf 43 Prozent des Familieneinkommens erhöht, während vor den 1980er-Jahren 25 Prozent üblich waren. Die Anzahlungen wurden im Jahr 2013 von 5 auf nur noch 3 Prozent herabgesetzt. Diese gelockerten Vorgaben erlauben es Familien, höhere Kredite aufzunehmen - und die Immobilienpreise steigen auf einen Betrag, der dem entspricht, was Banken maximal als Kredit zur Verfugung stellen. Aber statt Familien den Aufstieg in die Mittelschicht zu ermöglichen, wird die Inflation von Häuserpreisen zu einer Tretmühle der Schuldknechtschaft. Das Aufblähen der Preise für Renten abwerfende Vermögenswerte erzeugt ein eigennütziges Interesse, unproduktive Kreditschöpfung auszuweiten, um einen Zusammenbruch der Vermögenspreise zu verhindern. Denn dies würde zu einem negativen Kapitalwert führen. Dadurch ist die Wirtschaft gezwungen, zwischen zwei Übeln zu wählen: noch mehr Schulden aufzunehmen (nach dem Motto: »verlängere den Wahnsinn und wahre den Schein«, was per se nur kurzfristig funktionieren kann), oder die zu guter Letzt unvermeidlichen Insolvenzen und Verluste für Gläubiger zu akzeptieren.

Die klassische Rententheorie bestätigt das, was der Intuition zu widersprechen scheint: Die Erhöhung der Grundsteuern drückt die Höhe der Kredite, die Banken vergeben, und damit auch die Immobilienpreise, weil die an den Fiskus gezahlte Rente nicht als Bankschuld kapitalisiert werden kann. Aber der Finanzsektor verbreitet die Illusion, niedrigere Grundsteuern würden Wohneigentum erschwinglicher machen. Banken wissen, dass bei niedrigeren Steuern ein größerer Teil des Mietwerts einer Immobilie für Zinszahlungen von neuen Käufern zur Verfügung steht (und Alteigentümer dann höhere Zweithypothekendarlehen aufnehmen können). Die Einsparungen von Eigenheimbesitzern infolge niedriger Grundsteuern werden durch höhere Hypothekenkosten für den Häuserkauf wieder wettgemacht. Die Besteuerung der Bodenrente (und auch von Rohstoff- und Monopolrenten) hat drei positive Effekte. Sie hält, erstens, Immobilienpreise niedrig, indem sie verhindert, dass diese Rente für Bankkredite kapitalisiert wird. Sie befreit, zweitens, Arbeitnehmer und Industrie von Steuern auf Löhne, Gewinne und Umsätze, was die Belastung der meisten Familienbudgets verringert. Und drittens werden Banken gezwungen sein, nicht in neue Schulden zu schöpfen, die lediglich Kosten der Eigentumsübertragung darstellen, statt die Wirtschaftsleistung und die Produktivität wirklich zu erhöhen.
Die Besteuerung von Renten lässt sich administrativ leicht umsetzen. Die Vereinigten Staaten haben über 20 000 Immobilienschätzer, deren Aufgabe es ist, den Marktwert von Gebäuden getrennt von dem der Grundstücke zu beurteilen.
Im Fall von Rohstoffen kaufen ÖI- und Bergbaugesellschaften den Erzeugerländern in der Regel das unverarbeitete Produkt zu niedrige, den tatsächlichen Produktionskosten entsprechenden Preisen ab. Die Zahlung erfolgt über (praktischerweise den US-Dollar benutzende) "Billigflaggen" Länder wie Panama und Liberia, die das Öl mit einem Preisaufschlag an Raffinerien in den Verbraucherländern verkaufen. Dieser Aufschlag ist eine reine Ressourcenrente, kein »Profit« im klassischen Sinne. Er wird nicht besteuert.
Für Monopole sind ökonomische Renten Einnahmen, denen keine Ausgaben für Sachanlageinvestitionen und Arbeitskräfte gegenüberstehen. Man versucht schon seit langem, das Gewirr der fiktiven Kostenrechnung,  aufzuzudröseln. Während des Zweiten Weltkriegs unternahm die U'S-Regierung einen entsprechenden Versuch mit ihrer Übergewinnsteuer, und frühere Aufseher berechneten den angemessenen Marktpreis für Bahntickets und andere Monopoldienstleistungen (zumindest hatte man das von ihnen erwartet). Investrnentbanken setzten »kostenlose« Rentenrechte ganz oben auf ihre Wunschliste von Vermögenswerten, die privatisiert, steuerbefreit und dereguliert werden sollten, eben weil diese Rentenrechte "Melkkühe" sind, ganz ähnlich wie Lotterien und andere öffentliche Einnahmeströme.
Eine hochverschuldete, regressiv besteuerte Volkswirtschaft, in derReichtum auf Rentenextraktion und auf finanziellen Forderungen gegen (Staat (auf Zinsen, Tilgung und Gebühren) basiert, ist kostspieliger als eine »Eigenkapital-Ökonomie, die hauptsächlich Boden- und Rohstoffrenten besteuert und Monopolpreise reguliert. Wenn ein solches Rentier-Einkommen »nicht verdient« und daher unfair ist, gilt dies auch für das Vermögen und das Erbe, das aus diesem Einkommen aufgebaut wird. Glücklicherweise lassen sich Renteneinnahmen rückgängig machen. Eine Rentensteuer kann sich das zurückholen, was sich Privatisierer und Kleptokraten angeeignet haben.

In der Auseinandersetzung um die heutige Neue Einhegungsbewegung, die ökonomische Renten privatisieren will, stehen sich zwei Visionen des Kapitalismus gegenüber: Finanz- und Industriekapitalismus. Die »Schaffung von Wohlstand« nach dem Modell der Vermögenspreisinflation durch, erstens, Schuldenfinanzierung und, zweitens, Besteuerung von Arbeitnehmern
und Verbrauchern statt der ökonomischen Renten hat Amerika zu einer kostspieligen Volkswirtschaft gemacht.
Wenn Staaten die Grundrente abschöpfen, werden viele Immobilienbesitzer ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Banken nicht mehr nachkommen können, oder sie werden sich gezwungen sehen, ihre Immobilie aufzugeben. Wenn Banken nicht bekommen, womit sie fest gerechnet haben, wird dies ihre Rücklagen in vielen Fällen auf noch dramatischere Weise aufzehren als im Jahr 2008. Ein plötzlicher Wechsel zur Besteuerung von Renten oder anderen Einnahmen, die Banken bereits zugesagt wurden, wird deren Aktionäre und Anleiheinhaber dezimieren. Die Besteuerung ökonomischer Renten wird daher eine öffentliche Übernahme solcher »angeschlagenen« (das heißt im Klartext übermäßig aggressiven und ausbeuterischen) Banken erfordern. Der Finanzsektor hat die Gesellschaft gezwungen, eine Wahl zu treffen: sich entweder damit abzufinden, dass die Wirtschaft in ein Schneeballsystem im Dienste der Rentiers verwandelt wird, oder durchzusetzen, dass sich das Banken- und Steuersystem dem Ziel der Wachstumsfinanzierung unterordnet. Eine solche Reform muss jedoch umfassend und darf kein Stückwerk sein.
Es ist schwer ersichtlich, wie die ökonomische Rente ohne eine öffentliche Option für das Bankwesen vollständig besteuert werden könnte, weil die zu besteuernde Rente bereits für die Zahlung von Zinsen vorgesehen ist. Jemand muss nachgeben. Verstaatlichung ist der Preis, den Banken für ihre übermäßige Kreditvergabe bezahlen, bis zu dem Punkt, wo die Zinslasten oftmals die gesamte ökonomische Rente aufzehren und der Fiskus leer ausgeht, während verschuldete Besitzer in die Zahlungsunfähigkeit gezwungen werden. Unter diesen Bedingungen ist die Umwandlung insolventer Banken in öffentliche Institute die einfachste Alternative zu einer strengen Sparpolitik und zu Anarchie.