Eine Pleitewelle ist der Preis, der dafür entrichtet werden muss, dass der Finanzsektor das Steuersystem sabotiert und Aufsichtsbehörden den Interessen des zu regulierenden Sektors dienen. In Kapitel 9 habe ich dargelegt, dass die meisten Beobachter im Jahr 2008 erkannten, dass die überhöhte Kreditvergabe für Ramschhypotheken eine Blase (Vermögenspreisinflation)x verursacht hatte, und ich sprach mich dort dafür aus, die Schulden auf die Zahlungsfähigkeit des Schuldners zu begrenzen (vgl. Abschnitt 9 unten).
Solche Schuldennachlässe hätten im Jahr 2008 die Welle von Zwangsvollstreckungen verhindert, in deren Verlauf zehn Millionen Eigenheime zu Notverkaufspreisen auf den Markt geworfen wurden. Banken widersetzten sich solchen Schuldennachlässen, denn dies hätte ihnen selbst, ihren Anleihegläubigern und anderen Finanzakteuren Verluste beschert.
Die US-Notenbank schuf ausreichend Reserven, so dass die Banken ihre Verluste ausgleichen konnten, aber sie unternahm nichts, um bedrängten Eigenheimbesitzern zu helfen. Es wurde kein Druck ausgeübt, um »angeschlagene « (also übermäßig aggressive und ausbeuterische) Banken zu verstaatlichen oder ihre leitenden Angestellten strafrechtlich für den Hypotheken-und Versicherungsbetrug, der ein fester Bestandteil der Finanzkrise war, zu belangen. Die US-Bundeseinlagenversicherung wollte dies im Jahr 2008 mit Citigroup tun und die noch vorhandenen Rücklagen der Bank dafür verwenden, die Ansprüche versicherter Einleger zu befriedigen - im Unterschied zu denjenigen von Aktionären, Anleihegläubigern und nicht versicherten Kontrahenten} Doch dieses Vorhaben wurde vom Finanzministerium blockiert. Die Fed hat aber nicht nur Geld geschöpft, das sich Banken direkt als Reserven ausleihen konnten, sie hat zudem versucht, die Preise am Immobilienmarkt erneut in die Höhe zu treiben, damit verbriefte Bankenhypotheken als gehandelte Wertpapiere ihre früheren Kurse erreichen konnten. Banken verzichteten vor allem deshalb auf die Zwangsversteigerung von Häusern, deren Besitzer mit der Schuldenabzahlung in Rückstand Waren,weil sie von Fannie Mae versicherte Kredite in ihren Büchern halten wollten, und sie fügten ihren Zinsforderungen gegen Hypothekenschuldner noch Säumnisgebühren und Vertragsstrafen hinzu.
Banken stellen schon einen teilweisen Schuldenerlass als eine bedrohliche Anarchie hin - ihr Ausdruck dafür, dass sie einen Verlust verbuchen müssen, wenn das von ihnen konzipierte, deregulierte System kaputtgeht. Aber die Alternative zu Abschreibungen ist der Zusammenbruch des Finanzsystems und die Verarmung weiter Bevölkerungsgruppen. Durch einen Schuldenerlass ließe sich leichter eine öffentliche Option für das Bankwesen einführen. Dies würde Banken helfen, sich in öffentliche Versorgungsunternehmen umzuwandeln. Es würde auch die Rentenbesteuerung erleichtern, die die Reformer des ungebändigten Kapitalismus im 19. Jahrhundert anstrebten.
Der Versuch, das Gesicht zu wahren, indem man faule Kredite in den Büchern hält, hat dazu geführt, dass die Schuldendeflation die Verbrauchernachfrage und die Investitionstätigkeit der Unternehmen dämpft. Also müssen wir uns mit der unbequemen Wahrheit abfinden, dass für den Fall, dass finanzielle Forderungen nicht annulliert werden, eine Oligarchie, die einen immer größeren Teil des gesellschaftlichen Reichtums monopolisiert, Staaten eine chronische Sparpolitik auferlegt, wodurch es noch schwieriger wird, die Schuldenlast zurückzuzahlen.