Das Vorwort zum Buch kann hier nachgelesen werden

Aufbruch zu einer neuen Gesellschaft

[Dieser Teil des Buches wird sehr verkürzt widergegeben.]

Unter dem Eindruck einer Nahtoderfahrung sieht man sich angeblich genötigt, seine Prioritäten und Wertvorstellungen zu überdenken. DieWeltwirtschaft hatte gerade eine solche Nahtoderfahrung. Die Krise offenbarte
nicht nur Fehler im vorherrschenden Wirtschaftsmodell, sondern auch Mängel in unserer Gesellschaft. Zu viele Menschen haben andere ausgenutzt. Vertrauen ging in die Brüche. Fast jeder Tag bescherte uns neue Berichte über das Fehlverhalten von Menschen im Finanzsektor - Schneeballsysteme, Insiderhandel, betrügerische Kreditvergabe und eine Vielzahl unlauterer Kreditkartenpraktiken, die allein darauf abzielten, den Kartennutzer auszupressen wie eine Zitrone.

Dieses Buch konzentrierte sich allerdings nicht auf diejenigen, die gegen das Gesetz verstoßen haben, sondern auf die unzähligen anderen, die, im Rahmen des gesetzlich Erlaubten, toxische Produkte entwickelt, gebündelt, »umgepackt « und verkauft haben und deren Leichtsinn und Bedenkenlosigkeit beinahe das gesamte Finanz- und Wirtschaftssystem zum Zusammenbruch gebracht hätte. Das System wurde gerettet, aber zu einem
Preis, der noch immer schier unsere Vorstellungskraft sprengt.
In diesem Kapitel vertrete ich den Standpunkt, dass wir diese Krise als eine Chance begreifen und uns fragen sollten, in was für einer Gesellschaft wir in Zukunft leben wollen. Und dann sollten wir einen Schritt weiter gehen und uns fragen: Unter welchen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lässt sich diese angestrebte Gesellschaftsordnung verwirklichen?

Wir haben einen bestimmten Weg eingeschlagen und haben es auf diesem Weg sehr weit »gebracht« - wir haben eine Gesellschaft geschaffen, in der der Materialismus über moralische Bindungen obsiegte, in der das Wachstum, das wir erreicht haben, weder ökologisch nachhaltig noch langfristig gesellschaftlich tragfähig ist, in der wir nicht als Gemeinschaft handeln, um unsere gemeinsamen Bedürfnisse zu befriedigen - unter anderem weil ein radikaler Individualismus und "Marktfundamentalismus"  jeglichen Gemeinschaftssinn unterhöhlt, zu einer rücksichtlosen Ausbeutung unvorsichtiger und ungeschützter  Menschen und zu einer stetig wachsenden sozialen Spaltung geführt haben. Vertrauen - und nicht nur das Vertrauen in unsere Finanzinstitute - wurde untergraben. Noch ist es nicht zu spät, um diese Spaltungen zu überwinden.

Wie die Wirtschaft die Gesellschaft und den Einzelnen prägt

Diese Krise hat uns gezeigt, dass kollektives Handeln unabdingbar ist - dass der Staat gestaltend und regelnd in die Wirtschaft eingreifen muss. Aber es gibt noch weitere Lehren: Wir haben es zugelassen, dass verblendete Märkte einen prägenden Einfluss ... auch auf unsere Gesellschaft ... ausübten. Wir sollten uns fragen, ob das was sie aus uns machten, unseren Wünschen entspricht.

Fehlleitung unserer knappsten Ressourcen:
Humankapital


Ich habe gezeigt, auf welche Weise unsere Finanzmärkte Kapital fehlgeleitet haben. Aber die wahren Kosten der Überhitzung unseres Finanzsektors sind möglicherweise viel größer: Sie führte nämlich dazu, dass die knappste Ressource überhaupt, Humankapital, fehlgeleitet wurde. Ich selbst habe erlebt, dass viele unserer besten Studenten nach Abschluss ihres Studiums in den Finanzsektor gingen. Sie konnten den astronomischen Gehältern einfach nicht widerstehen. Zu meiner Studienzeit studierten die intelligentesten Abiturienten Naturwissenschaften, Pädagogik, Geisteswissenschaften oder Medizin. Sie wollten mit der Kraft des Verstandes die Welt verändern. ....

Wie der Markt unsere Denkweise verändert und unsere Wertvorstellungen deformiert hat.

Die herrschende Wirtschaftstheorie geht davon aus, dass wir mit fertig ausgebildeten Präferenzen zur Welt kommen. Aber wir werden auch durch unsere Erfahrungen ... und durch das geprägt, was in der Wirtschaft geschieht. Die theoretische Annahme, in der Höhe der Vergütung spiegele sich der Beitrag des Betreffenden zum gesamtgesellschaftlichen Wohlstand wider ist falsch. Allzu viele glaubten, das, was der Markt hoch bewerte, stelle auch einen (gesellschaftlichen) Wert dar. Aus der hohen Vergütung von Bankmanagern folgerte man, dass Bankgeschäfte per se einen hohen sozialen Nutzen hätten.
Wie der Markt unsere Denkweise veränderte, zeigt sich an den Einstellungen zum Leistungslohn. Was für eine Gesellschaft ist das, in der ein Vorstandsvorsitzender sagen kann: »Wenn ich nur fünf Millionen Dollar bekomme, werde ich nicht mein Bestes geben. Damit ich mich mit aller Kraft einsetze, müsst ihr mich am Gewinn beteiligen«, Genau das sagen Spitzenmanager. wenn sie behaupten, sie bräuchten Anreize durch ein Vergütungs systern, in dem die Höhe der Bezüge an die Leistung gekoppelt ist.
Es gab einmal einen Gesellschaftsvertrag, der die angemessene Aufteilung der Gewinne, die durch gemeinsames wirtschaftliches Handeln entstehen, regelte. In amerikanischen Aktiengesellschaften verdiente der Chef ehedem das Vierzigfache des Lohns eines durchschnittlichen Arbeitnehmers, scheinbar eine hohe Zahl, und mehr als in Europa und Japan. (Die leitenden Angestellten in den meisten Firmen sind ebenfalls »Arbeitnehrner« in dem Sinne, dass ihnen das Unternehmen nicht gehört. Aber sie können Entscheidungen treffen, auch Entscheidungen darüber, ein wie hoher Anteil am Unternehmensgewinn den Aktionären, der Belegschaft und ihnen selbst zufließt.) Aber vor etwa 25 Jahren änderte sich dann etwas, als Margaret Thatcher und Ronald Reagan eine neue Ära einleiteten. Das Kriterium der angemessenen Vergütung geriet in Vergessenheit - jetzt ging es vielen Spitzenmanagern nur noch darum, möglichst viel abzukassieren.

Die Ereignisse auf den Märkten und in der Politik sagen eineMenge aus über wirtschaftliche und politische Macht. Sie übermitteln zudem unmissverständliche Botschaften an die jungen Menschen, die darauf reagieren, und auf diese Weise üben sie einen prägenden Einfluss auf unsere Gesellschaft aus. Wenn wir Spekulationsgewinne viel niedriger besteuern als das Einkommen derjenigen, die für ihren Lebensunterhalt hart arbeiten, ermuntern wir nicht nur junge Leute zur Spekulation, sondern wir geben tatsächlich zu verstehen, dass wir als Gesellschaft Spekulation höher schätzen als normale Erwerbsarbeit.


Eine moralische Krise
....
Mag sein, dass nur ein schmaler Grat zwischen kreativer Buchführung und Bilanzbetrug liegt - aber der Finanzsektor hat diesen Grat immer wieder überschritten, übrigens schon vor etlichen Jahren, wie Skandale um WorldCom und Enron belegen. Nicht immer lassen sich Unvermögen und vorsätzliche Täuschung eindeutig voneinander abgrenzen, aber es ist wenig wahrscheinlich, dass ein Unternehmen mit einem Eigenkapital von angeblich über hundert Milliarden Dollar plötzlich mit leeren Taschen dasteht, ohne zu wissen, dass es seine Bilanzen gefälscht hat. Es ist unglaubwürdig, wenn die Hypotheken-Kreditgeber und die Investmentbanken behaupten, sie hätten nicht gewusst, dass die Produkte, die sie austüftelten, kauften und neu verpackten, toxisch waren. Die Investmentbanken möchten uns weismachen, dass sie von denjenigen getäuscht wurden, die ihnen die Hypotheken verkauften. Aber das ist unwahr. Sie ermunterten die Hypothekenbanken vielmehr dazu, in den riskanten Subprime-Markt einzusteigen, weil sie nur durch das umfangreiche Angebot an Hypotheken und die Umwandlung der risikobehafteten Vermögenswerte in neue Produkte die Gebühren verdienten und die Erträge erwirtschafteten, die sie aufgrund des »Schuldenhebels« als Finanzgenies erscheinen ließen. Wenn sie getäuscht wurden, so deshalb, weil sie es nicht wissen wollten. Es ist durchaus möglich, dass einige nicht wussten, was sie taten, aber dann haben sie sich eines anderen Verbrechens schuldig gemacht, nämlich der Vorspiegelung falscher Tatsachen, indem sie behaupteten, über Risiken Bescheid zu wissen, während dies in Wahrheit nicht der Fall war.
Dass sie den Nutzen ihrer Produkte überzeichnen und sich als kompetenter ausgeben, als sie es erwiesenermaßen sind, ist etwas, womit man bei vielen Unternehmen rechnen musste, auch wenn das Ausmaß so überzogen war wie das Selbstbewusstsein und die Vergütung. (Nicht umsonst heißt es caveat emptor - der Käufer möge sich [vor Mängeln der gekauften Sache] hüten.) Viel schwerer zu verzeihen ist die moralische Verkommenheit - die Tatsache, dass der Finanzsektor arme, aber auch zur Mittelschicht gehörende Amerikaner ausgebeutet hat. Die Finanzinstitute entdeckten, dass am Fuß der Vermögenspyramide Geld zu holen war, und taten alles, was ihnen im Rahmen der Gesetze erlaubt war (und einige gingen sogar über das gesetzlich Erlaubte hinaus), um das Geld an die Spitze der Pyramide zu transferieren. Aber statt zu fragen, weshalb die Aufsichtsbehörden diesem Treiben kein Ende setzten, hätten wir fragen sollen, ob und, wenn ja, warum diejenigen, die an diesen Praktiken mitwirkten, denn jegliche moralische Skrupel verloren hatten.

In Kapitel 6 habe ich gezeigt, dass sich das Schneeballsystem von Bernie Madoff nicht allzu sehr von den Maschen anderer unterschied, die mit hohen Schuldenhebeln arbeiteten. Die Finanziers wussten - oder hätten wissen müssen -, dass auf die hohen kurzfristigen Erträge (mit den entsprechenden hohen Gebühren) vermutlich hohe Verluste folgen würden, die jedoch laut ihren Vertragsbedingungen keine Auswirkungen auf ihre Bonuszahlungen hätten. Diese Verfechter der Theorie vollkommener Märkte hätten wissen müssen, dass auch Schulden »ihren Preis haben« - das heißt, dass den Chancen auf außergewöhnliche Erträge immer Risiken übergroßer Verluste gegenüberstehen. Ein hoher Schuldenhebel warf in guten Jahren hohe Erträge ab; aber er setzte die Banken auch immensen Verlustrisiken aus.
Da der Gelderwerb als das A und 0 im Leben angesehen wurde, schien alles erlaubt zu sein. Wie bei den vielen anderen Bankenkrisen zuvor zeigt sich auch bei dieser eine Skrupellosigkeit, die einem den Atem verschlägt, wobei nur einige wenige der schlimmsten Übeltäter hinter Gittern landeten (aber selbst nach gigantischen Geldstrafen blieben ihnen oft noch Hunderte von Millionen Dollar): Charles Keating und Michael Milken in den 1980er Jahren, Kenneth Lay und Bernard Ebbers nach der Jahrtausendwende.
Madoff überschritt die schmale Grenze zwischen »Übertreibung« und »betrügerischem Verhalten«. Aber jeden Tag wird die Liste der »ethisch überforderten« Finanziers länger. Angelo Mozilo, der Chef von Countrywide Financial, der ehedem größten subprime-Hypothekenbank der USA, ist ein weiteres Beispiel. Die Börsenaufsicht SEC hat Klage wegen Wertpapierbetrugs und Insiderhandels gegen ihn erhoben: Unter der Hand bezeichnete er die von ihm ausgereichten Hypothekendarlehen als toxisch, und er sagte sogar, er steuere Countrywide im »Blindflug«, während er gleichzeitig die Stärken seiner Hypothekenbank mit ihren erstklassigen Hypothekendarlehen und ihren hohen Anforderungen an die Bonität der Kreditnehmer rühmte.' Viele Unternehmer machen das große Geld, wenn sie ihre Firma verkaufen. Jeder träumt davon einen Dummen zu finden, der bereit ist, einen hohen Preis zu zahlen. Mozilo war erfolgreich: Er verkaufte sein Countrywide-Aktienpaket mit einem Gewinn von fast 140 Millionen Dollar.
Wie man es auch dreht und wendet, fest steht, dass unsere Banken und unsere Banker den moralischen Standards, die wir eigentlich von Ihnen erwarten würden, nicht genügten, insbesondere deshalb nicht,
weil sie nicht davor zurückscheuten, gewöhnliche Kreditnehmer auszubeuten. Die zweitklassigen Hypothekendarlehen sind nur ein weiteres Beispiel auf einer langen Liste missbräuchlicher Praktiken auf einer Vielahl
von Feldern, zu denen Studentenkredite, sogenannte "Zahltag-Kredite"  (kurzfristige Barkredite bis zum Erhalt des nächsten Lohnschecks), rent-a-centers (Unternehmen, die Möbel oder elektrische Geräte zum
Mietkauf anbieten) sowie Kredit- und Debitkarten gehören.
Manche Finanzdienstleister (und andere Unternehmen) erklären, es sei nicht ihre Aufgabe, Entscheidungen darüber zu treffen, was richtig sei und was falsch. Dies sei Sache des Staates. Solange der Staat diese Aktivtäten
nicht verboten habe, habe eine Bank geradezu die Pflicht gegenüber ihren Aktionären, Kapital bereitzustellen, solange dies gewinnbringend möglich sei. Dieser Logik zufolge ist es nicht verwerflich, den Zigarettenherstellern Kredite zu gewähren, da sie bekanntlich Produkte mit hohem Suchtpotenzial und starken gesundheitlichen Risiken herstellen.
Diejenigen, die behaupten, sie könnten tun und lassen, was sie wollen, solange sie nicht gegen Gesetze verstießen, machen es sich freilich zu einfach. Schließlich geben die Unternehmen eine Menge Geld aus, umzu erreichen, dass nur solche Gesetze verabschiedet werden, die ihre verwerflichen Praktiken gerade nicht verbieten. Die Finanzindustrie hat sich jede erdenkliche Mühe gegeben, um Gesetze gegen Kreditwucher zu verhindern, um einzelstaatliche Verbraucherschutzgesetze auszuhöhlen und dafür zu sorgen, dass die US-Regierung - mit ihren laschen Standards während der Bush-Jahre - Entscheidungen einzelstaatlicher Regulierungsbehörden aufhob. Schlimmer noch, viele Unternehmen haben intensiv auf die Verabschiedung von Gesetzen gedrängt, die sie aus ihrer regulären Haftpflicht entlassen sollten. Die Tabakkonzerne wünschen sich nichts sehnlicher als eine "leichte"- Regulierung, die es ihnen erlaubt, sich bei Todesfällen, die nachweislich auf Tabakkonsum zurückzuführen sind, mit dem Argument herauszureden, sie hätten nur das getan, was ihnen die Gesetze erlauben, und die Behörden seien jederzeit vollständig im Bilde gewesen.

Verantwortung übernehmen

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Das Modell des draufdrängerischen, hemmungslosen amerikanischen Individualismus, ... beschwört eine Welt, in der wir für unsere Erfolge und Misserfolge selbst verantwortlich sind. Aber ebenso wie der in Kap. 9 beschriebenen Homo oeconomicus und das Eigentümerunternehmen des 19. Jahrhunderts sind das Mythen. ... Unsere Handlungen wirken sich in erheblichen Maße auf andere aus. ..In der Praxis zeichnet sich der amerkikanischen Individualismus durch eine merkwürdei Widersprüchlichkeit aus: Menschen heimsen zwar gern Lob und Belohnung für Erfolge ein, zeigen aber wenig Bereitschaft, die Verantwortung für ihr Versagen oder für die Kosten zu übernehmen.
Diese Einstellungen schlugen sich auch in den Vergütungssystemen für leitende Angestellte nieder. ... Der leistungsbezogene Anteil an der Gesamtvergütung ist hoch, wenn eine gute Leistung erbracht wird, aber bei schwacher Leistung wird das Defizit durch andere Vergütungsbestandteile ... kompensiert. ...
Auf lange Sicht kann eine Gesellschaft nicht funktionieren, wenn Menschen nicht für die Folgen ihrer Handlungen einstehen. ...

Was man misst, schätzt man wert, und umgekehrt

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Die Krise zeigt, dass Marktpreise sehr verzerrt sein können - mit der Folge, dass unser Maß (BIP) ebenfalls stark verzerrt ist, weil wir unsere Atmosphäre (und allzu oft auch sauberes Wasser) so behandeln, als wäre es eine kostenlose Ressource, während sie in Wirklichkeit knapp ist.  ....

Aber selbst wenn volkswirtschaftliche Messgrößen erweitert werden, um die Qualität der gesundheitlichen Versorgung und des Bildungssystems einzubeziehen, lassen diese Kennziffern einen Großteil dessen aus, was sich auf unser Wohlergehen auswirkt. Robert Putnam hat betont, wie wichtig das Gefühl der Verbundenheit mit anderen für uns ist. In Amerika schwindet dieses Gefühl, und die Art und Weise, wie wir unsere Wirtschaft organisiert haben, mag dazu beitragen.
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Sicherheit und Rechte

Eine wichtige Dimension gesellschaftlichen Wohls ist Sicherheit. Das Wohlbefinden der meisten Amerikaner hat stärker abgenommen als es aus der Statistik hervorgeht. ... Reiche US-Konzerne werden  nicht müde zu betonen, wie wichtig Sicherheit sei. Allerdings meinen sie damit vor allem die Sicherheit von Eigentumsrechten. Ironischerweise haben viele gleichzeitig dafür prädiert, die individuelle Absicherung zu reduzieren, indem sie sich für Kürzungen bei der staatlichen Rentenversicherung  und einer Lockerung des Kündigungsschutzes für einfache Arbeitnehmer einsetzten. ...
Unter der Regiergung Bush begannen die Vereinigten Staaten endlich die Bedeutung wirtschaftlicher Rechte anzuerkennen - aber es war eine einseitige Anerkennung: Sie erkannten das Recht auf ungehinderte grenzüberschreitende Kapitalmobilität an, also das Recht auf Liberalisierung der Kapitalmärkte. Aber weshalb sollten diese wirtschaftlichen Rechte - Rechte von Unternehmen - Vorrang haben vor den grundlegenden wirtschaftlichen Rechten von Individuen, wie etwa das Recht auf Zugang medizinischer Versorgung, auf Wohnraum oder auf Bildung? Oder dem Recht auf ein gewisses Mindestmaß an existenzieller Sicherheit? ...

Gemeinschaft und Vertrauen

Vertrauensverlust durch Verbriefung von Wertpapieren. Verbriefung ist  heute ein fester Bestandteil modernen Wirtschaftslebens. Aber durch die staatlichen Rettungspakete haben wir alle Verbriefung subventioniert. Wir sollten sicherstellen, dass dieses Finanzierungsinstrument nur restriktiv angewendet wird.

Ein geteiltes Land

Die Krise hat Risse in unserer Gesellschaft offengelegt, eine Spaltung zwischen Wall Street und den Durchschnittsamerikanern, zwischen Reichen und dem Rest der Gesellschaft.  ....

Eine Zukunftsvision

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In Anbetracht der gewaltigen staatlichen Ausgaben kann man sich kaum vorstellen, dass die Regierung keine Zukunftsvision hat, sowohl im kleinen wie im großen Maßstab: ein Land, das entweder mehr auf spritfressende Fahrzeuge oder auf öffentliche Verkehrsmittel setzt, auf den Flugverkehr oder den Schienenverkehr; eine Wirtschaft, die sich stärker auf Forschung, Innovation und Bildung  oder auf industrielle Produktion konzentriert.

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Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Viele der diskutierten Probleme sind seit langen bekannt, und dennoch hat es bei ihrer Bewältigung kaum Fortschritte gegeben. Weshalb kann ein Land mit so vielen begabten Menschen, - ein Land dem die erste Mondlandung gelungen ist - diese Probleme nicht besser lösen? Präsident Eisenhower warnte vor den Gefahren des militärisch-industriellen Komplex. Aber in den letzten fünzig Jahren hat sich dieser Komplex erwseitert: Zu den Interessengruppen, die maßgeblichen Einfluß auf die amerikanische Wirtschafts- und Sozialpolitik nehmen, gehören die Finanz-, die Pharma-, die Mineralöl-, und die Bergbauindustrie. Ihr politischer Einfluß macht eine rationale Politikgestaltung praktisch unmöglich. .... Bei vielen Schlüsselfragen haben sie sich in einer Weise verhalten, die wenig mehr war als unverblümte Geldgier. ... Das schlimmste Beispiel hat der Finanzsektor abgegeben.
Amerika wird es kaum gelingen, eine Vision - egal welche - umzusetzen, wenn es den Partei- und Wahlkampspenden, dem Treiben der Lobbyisten und dem Drehtür-System (dem routinemäßigen Wechsel zwischen Privatwirtschaft und politischen Ämtern) nicht Einhalt gebietet.  Diese Krise sollte uns wachrütteln: Der Preis kann hoch, sehr hoch sein und sogar das übersteigen, was sich das reichste Land der Erde leisten kann.