Zinsen sind keine Betriebskosten, wenn sie für die Übertragung von Eigentumsrechten an Grundstücken oder bestehenden Unternehmen gezahlt werden. Schulden, die lediglich für den Erwerb von Vermögenswerten aufgenommen werden, sind reine Gemeinkosten, die die Betriebskosten erhöhen. Die steuerliche Absetzbarkeit von Zins zahlungen auf solche Transaktionen erlaubt dem Einen Prozent, sich einen größeren Teil von Industrie, Immobilien und Handel zu sichern. Aufgrund dieses krassen Fehlanreizes können Industrieunternehmen mit Finanztaktiken ausgeplündert werden, die es den Ausschlachtern erlauben, Anleiheinhabern mehr auszuzahlen als Aktionären (indem sie Einnahmen auszahlen, die andernfalls als steuerpflichtige Einkünfte erklärt werden müssten). Dies fördert die Schuldenfinanzierung auf Kosten von Kapitalinvestitionen, insbesondere bei fremdfinanzierten Übernahmen, bei denen Zinskosten zu den Kosten der Geschäftstätigkeit hinzukommen.
Die steuerliche Absetzbarkeit von Zinsen erhöht außerdem die Lebenshaltungskosten, insofern sie die Steuerlast auf Lohneinkommen und Konsumentenkäufe abwälzt. Doch zu guter Letzt gewähren Politiker Gläubigern immer Steuervorteile, weil der Finanzsektor ihr größter Wahlkampfspender geworden ist.

Wie bei den ökonomischen Renten bewirkt auch die Steuerbefreiung von Zinszahlungen, dass ein größerer Teil der nachsteuerlichen Immobilienrente und des Cashflows von Unternehmen für die Vergabe höherer Kredite zur Verfügung steht. Diese wiederum erhöhen die Vermögenspreise für neue Käufer auf Kredit. Die unversteuerten Zinsen werden schließlich an Banken und Anleihegläubiger ausgezahlt. Diese Umwandlung von Renten und Steuerkürzungen in Zinsen - bei der »Kapitalgewinne« anfallen - sichert die Unterstützung der Wall Street für eine wachstumsfeindliche Steuerpolitik, deren hauptsächliches »Produkt« Schulden sind.
Das gewundene Umschreiben und Verwässern des Dodd-Frank-Bankengesetzes hat gezeigt, dass Banklobbyisten in der Lage sind, Reformen zu bremsen und sie durch Einfügen fataler Schlupflöcher zu entschärfen. Die Einflussnahme der Wall Street auf Gesetzgebung, Gerichte und Aufsichtsbehörden sowie ihre politische Kontrolle über die Wahlkampf-finanzierung zwingen Gesellschaften dazu, radikale Maßnahmen zu ergreifen, um sich vor Austerität und Schuldknecht-schaft zu schützen. Und radikale Schritte müssen naturgemäß unvermittelt erfolgen. Um erfolgreich zu sein, müssen systemische Reformen rasch und durchgreifend, nicht langsam und schrittweise umgesetzt werden.