Wertschöpfung statt Wertabschöpfung : Für eine Ökonomie der Hoffnung


Die weltweite Finanzkrise, die 2008 begann und deren Nachwirkungen wir noch auf Jahre hinaus spüren werden, hat überall zu Kritik am modernen kapitalistischen System geführt: Es sei zu „spekulativ“; es belohne Rent-Seeking anstelle wahrer Wertschöpfung und es habe das ungezügelte Wachstum des Finanzsektors zugelassen. All das habe dazu geführt, dass der spekulative Austausch von Finanzanlagen lukrativer ist als die Investitionen, die zu neuen Sachgütern und Arbeitsplätzen führen. Debatten über nicht nachhaltiges Wachstum sind vernehmlicher geworden, und man sorgt sich dabei nicht nur um die Wachstumsrate an sich, sondern auch um die Richtung, die sie nimmt.

Zu den Rezepten für tiefgreifende Reformen dieses aus dem Ruder gelaufenen Systems gehören unter anderem: dafür zu sorgen, dass die Finanzbranche sich mehr auf langfristige Investitionen konzentriert; durch Änderungen von Governance-Strukturen dafür zu sorgen, dass Unternehmen weniger auf Aktienkurse und Quartalsergebnisse fixiert operieren; eine stärkere Besteuerung schneller Spekulationsgewinne; eine gesetzliche Deckelung exzessiver Vergütungen für das Management.

Aus einem Artikel in den 'Blättern für deutsche und internationale Politik' 8/2019 S. 89-99 von Mariana Mazzucato. Der Beitrag basiert auf dem letzten Kapitel von „Wie kommt der Wert in die Welt? Von Schöpfern und Abschöpfern“, dem neuen Buch der Autorin, das soeben im Campus Verlag erschienen ist.